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Gartenkunst in China

N | Feng Shui | Samstag, November 4th, 2006
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Gartengestaltung ist eine wichtige Komponente der traditionellen chinesischen Kunst und lässt sich bis 3000 v. Chr. zurückverfolgen. Anders als die Gartenanlagen, die im Alten Ägypten und im Vorderen Orient entstanden, stand hier nicht die Pflanze im Vordergrund. Chinesische Gärten sind vielmehr als Abbild eines idealen Universums konzipiert, deren wesentliche Bestandteile künstlich angelegte Seen und Hügel, ungewöhnlich geformte Vegetation und Steine waren.

Feng Shui ist chinesische Geomantik, also die komplexe Kunst, eine Landschaft zu lesen und die Umgebung und Gebäude so auszurichten, dass der Fluss positiver Energie, dem so genannten “Chi” maximiert wird und Glück bringt. Der ideale Garten hat nach diesem Konzept im Norden hohe, schützende Berge, im Osten sanfte Hügel, die nach Süden weiter abfallen und im Westen verläuft ein schützender Fluss. Da Chi gerne in sanften Kurven fließt, haben Teiche und Wege keine geraden Linien. Um gutes Feng Shui zu schaffen, musste im Garten Yin und Yang ausgewogen verkörpert sein. Dies wurde erreicht durch die Kontraste von kurzen und weiten Blicken, von Rauhem und Weichem, von Berg und Ebene, Vertikalem und Horizontalem oder einfacher und kunstvoller Verzierung der Bauwerke. So kann beispielsweise eine einfache Veranda mit klaren, geraden Linien komplexes Schnitzwerk an den tragenden Balken unter dem Dach aufweisen oder eine weiß gekalkte Wand von einem Baum dunkel beschattet sein.

Geschichte der chinesischen Gartenkunst

Ähnlich wie für die Entwicklung der Gartenkunst in Ägypten und im Vorderen Orient stehen Jagdparks zu Beginn der chinesischen Gartenkunst. Sie wurden bereits zu Zeiten der Zhou-Dynastie (11. Jh. - 256 v. Chr.) angelegt. In der Zeit der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) wurden in diesen Parks Paläste, Terrassen und Pavillons gebaut. Im Shanglin-Park des Han-Kaisers Wudi (140-87 v. Chr.) gab es Gärten, Paläste und Pavillons, die alle jeweils eigenen Zwecken dienten: dem Musizieren, dem Singen, dem Betrachten seltener Vögel und merkwürdiger Fische, dem Vergnügen an Hunden, Pferden, Elefanten und Hirschen sowie der Aufzucht ungewöhnlicher Blumen und Gehölze. Der Shanglin-Park bildete damit einen ganzen Komplex, der die verschiedenartigsten Lebensinhalte umfasste, wobei jedoch den Bauten besondere Bedeutung zukam. Man spricht deshalb für die Zeit der Han- und Qin-Dynastie auch vom “Architektur-Palast-Park”. Parallel dazu entstanden die ersten Gärten, in denen stark gestaltend in die Landschaft eingegriffen wurden sowie die ersten großen Privatgärten. In dieser Zeit entstand offenbar die Kunst des “Penjing” oder Bonsai - auch wenn einige der Bäume zwei und mehr Meter hoch waren und in großen Schalen im Garten gepflegt wurden.

Die Entwicklung des “Natürlichen Landschaftsgartens”

Zur Zeit der Dynastien Wei (220–265 n. Chr.) und Jin (265–420) sowie der Nord- und Süd-Dynastien (420-589 n. Chr.) übten die Naturverehrung, die Verherrlichung des ländlichen Lebens in Literatur und Kunst sowie die Entwicklung der Theorie und Darstellungstechnik der Landschaftsmalerei auf die Anlage und die Methode der Gartenschöpfungen einen bestimmenden Einfluss aus. Man grub Kanäle und leitete Wasser herbei, hob Teiche aus, häufte Berge auf mit übereinandergetürmten Felsen und vielfachen Graten, mit tiefen Bächen, Höhlen und Schluchten und trieb die kunstvolle Landschaftsgestaltung bis zum Äußersten. Aus den Parks ragten entweder vereinzelt Häuser und Hallen auf oder man setzte Gruppen von Gebäuden an den Fuß von Hügeln. Diese Entwicklung des so genannten “Natürlichen Landschaftsgartens” bewirkte wiederum Veränderungen in der Form der Kaiserpaläste mit ihren Parks. Der Sui-Kaiser Yangdi ließ beispielsweise in Luoyang den Westpark mit einem See als “Meer”-Nachbildung von circa fünf Kilometer Umfang anlegen, aus dem sich Inseln erhoben. Auf diesen Inselbergen standen Terrassen, Aussichtspavillons, Hallen und ähnliche Gebäude. Ein Kanal zog in starken Windungen durch das angrenzende Gelände, den so genannten “16 Höfen”, und mündete in dem künstlich geschaffenen “Meer”. Jeder dieser “Höfe” entsprach innerhalb dieses Parks einer gesonderten parkartigen Anlage. Diese Form der Gartengestaltung wird auch als “Landschaftsarchitekturpark der Sui-Zeit” bezeichnet.

Die Gärten der Tang- und Song-Dynastie

Unter den Dynastien der Tang (618 - 907 n. Chr) und Song wurde China dank des erfolgreichen Exports von Seide und Keramik wohlhabend. Mit dem wirtschaftlichen Wohlstand erlebte auch die chinesische Kunst und Kultur eine einmalige Blüte. Die Entwicklung der Landschaftsmalerei in dieser Zeit beeinflusste auch die Gartengestaltung. Die idealtypische Landschaft der Malerei wurde als “Szenerie mit Sinngehalt” (yijing) in den Gartenanlagen nachgebaut (so genannte Landschaftsgarten der freien Malweise der Tang- und Song-Zeit). Dank des Anwachsens privater Finanzkraft nahmen in dieser Zeit auch die Ausmaße der privaten Gärten zu. Vor allem Dichter liebten die Landschaft so sehr, dass sie sich einfache Landhäuser mit Gärten bauten. Der bekannteste Dichtergarten war der des berühmten Dichters Wang Wei (699-759). Er lag am Fuße des Zhongan-shan-Gebirges und war einer der ersten „Literatur-Gärten”. Wang Wei schuf in seinem Garten Szenarien, die so poetische Namen trugen wie “Weiden-Wellen”, “‘Ah!‘-See” oder “Haus der gemusterten Aprikosen”.

In den privaten Gärten zur Zeit der Song-Dynastie legte man besonderen Wert auf das „Gegenüberstellen von Szenerien (duijeng)“ und das „Borgen von Szenarien (jiejing)“, um das Blickfeld zu erweitern. Ähnlich wie man in europäischen Gärten Statuen aufstellte, war es üblich, im Garten einzelne Felsbrocken zu setzen.

Die Gärten der Ming- und Qing-Dynastie

Unter den Dynastien der Ming und Qing wurde die Gartenkunst auf dieser Basis weiterentwickelt und ihre Technik vervollkommnet. In dieser Zeit war es allgemein verbreitet, private Gärten anzulegen, wobei die Verbindung von Gartenkunst mit Literatur und Malerei ständig enger wurde und ein sehr hohes Niveau erreichte. Zu der Zeit der Qing-Dynastie (1644-1911) entstanden vor allem in der Region um Yangzhou große Privatgärten. Sie dienten im Allgemeinen nicht dem Wohnen, sondern waren Stätten, an denen der Besitzer - ein wohlhabender Kaufmann oder Beamter beispielsweise - Feste veranstaltete, sich mit Dichtung vergnügte oder ausruhte. Die Hauptgebäude eines Gartens, die gewöhnlich zum Empfang von Gästen oder zur Veranstaltung von Festen dienen, sind oft als Hallen gestaltet, die am Wasser liegen oder auf allen vier Seiten offen sind, um die Szenerie auf allen Seiten genießen zu können. Hauptobjekte der Betrachtung sind dabei Felsen und Wasser. Zu der Zeit der Hochblüte der Yangzhou-Gärten waren in jedem Garten Wasserläufe und Felsszenerien zu finden. Berühmt sind auch die Privatgärten von Suzhou, einer Region, die für die Entwicklung der Gartenkunst besonders begünstigt war, da zahlreiche Wasserquellen vorhanden waren, die heimische Pflanzenwelt vielfältig war und zudem in der Nähe Steine gebrochen wurden.
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